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Anschlag war klar rassistisch

In den letzten Tagen kursierten in den Medien und im Internet Berichte, dass der Täter von Hanau keine rassistischen Motive gehabt haben soll. Er sei vielmehr durch eine Verschwörungstheorie verblendet gewesen. Wir erinnern uns: Mitte Februar hatte ein Mann in Hanau innerhalb kurzer Zeit neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Die Ermittler fanden bei ihm Material, in dem er sich im Zentrum einer abstrusen Geheimdienstverschwörung sah. In den Texten und in einem Video äußerte sich der mutmaßliche Täter aber extrem rassistisch. Die Bundesanwaltschaft übernahm den Fall, die Hintergründe schienen klar.

Jetzt zitierten Medien „Ermittler“, die dem Mann keine „typisch rechtsextreme Radikalisierung“ attestierten. Er solle seine Opfer so ausgewählt haben, dass er eine größtmögliche Aufmerksamkeit für sich und seine Verschwörungstheorien erlangte. Heute wiederum meldete sich BKA-Chef Holger Münch zu Wort und stellte klar: „Das BKA bewertet die Tat als eindeutig rechtsextremistisch.“

Für eine schnelle Schlagzeile und eine hohen Klickrate schrecken selbst etablierte und seriöse Medien nicht mehr davor zurück, groß über ein Zwischenergebnis zu berichten. Der Erfolg ist ihnen sicher: In den anderen Medien wurden sie viel zitiert. Und bestimmte gesellschaftliche Strömungen freuten sich, dass ihre Ansicht doch richtig gewesen sei und der Anschlag von einem „Irren“ ausgeführt wurde. Dabei glauben bekanntlich viele Menschen mit einer rechten Gesinnung an die verrücktesten Dinge – diese beiden Weltanschauungen schließen sich also nicht aus, sondern haben ganz im Gegenteil eine große Schnittmenge.

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